Fenstergriff und Beschlag einer gesicherten Fenstertür
Die unterschätzte Öffnung

Warum das Fenster häufiger nachgibt als die Tür

Fenster und Fenstertüren sind bei vielen Häusern die schwächste Stelle. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich das ändern.

Robin Prijs2. März 20267 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein gekipptes Fenster gilt als offen. Es ist keine Sicherung, sondern eine Einladung.
  • Die meisten Fenster geben am Beschlag nach, nicht am Glas.
  • Pilzkopfzapfen und Sicherheitsschließteile lassen sich bei vielen Fenstern nachrüsten.
  • Abschließbare Griffe wirken nur zusammen mit einem widerstandsfähigen Beschlag.

Das Glas ist nicht das Problem

Die verbreitete Vorstellung, ein Fenster werde eingeschlagen, trifft nur selten zu. Glas macht Lärm, hinterlässt Spuren und ist unpraktisch. Wer es eilig hat, arbeitet stattdessen am Rahmen.

Der übliche Weg führt über das Aufhebeln des Flügels an der Stelle, an der der Beschlag greift. Ein Standardbeschlag hält diesem Angriff nur wenige Sekunden stand, weil die Rollzapfen einfach aus ihren Gegenstücken gleiten.

Hinzu kommt, dass an vielen Häusern die Fenster deutlich zahlreicher sind als die Türen. Wer eine Haustür aufwendig sichert und zwölf Fenster im Standard belässt, hat die Statistik nicht auf seiner Seite.

Diese Maßnahmen wirken am Fenster wirklich

  • Pilzkopfzapfen mit passenden Schließteilen an möglichst vielen Punkten
  • Abschließbarer Fenstergriff als Ergänzung, nicht als alleinige Maßnahme
  • Zusatzriegel an Flügelseiten, die der Beschlag nicht abdeckt
  • Kippsicherung für Fenster, die häufig in Lüftungsstellung stehen
  • Sicherung an Kellerfenstern und Lichtschächten, die von innen zu öffnen bleibt

Pilzkopfzapfen und Sicherheitsschließteile

Der wirksamste Eingriff am Fenster ist der Austausch der Verschlusspunkte. Statt runder Rollzapfen kommen Pilzkopfzapfen zum Einsatz, die sich beim Verschließen hinter ein passendes Schließteil legen und dadurch formschlüssig halten.

Damit das wirkt, müssen beide Seiten stimmen. Ein Pilzkopf ohne passendes Sicherheitsschließteil greift ins Leere, und ein gutes Schließteil ohne Pilzkopf ebenso. Deshalb werden immer beide Bauteile zusammen getauscht.

Wie viele Punkte sinnvoll sind

Je größer der Flügel, desto mehr Verschlusspunkte braucht er. Ein einzelner gesicherter Punkt verschiebt den Angriff nur an die nächste Ecke. Sinnvoll ist eine gleichmäßige Verteilung über den gesamten Umfang, besonders an der Griffseite.

Erst die erreichbaren Fenster

Sichern Sie zuerst alles, was ohne Leiter erreichbar ist. Das sind Erdgeschoss, Souterrain, Terrasse und alle Fenster in der Nähe von Vordächern, Mülltonnen oder Garagen. Obergeschosse ohne Aufstiegshilfe stehen weit hinten in der Reihenfolge.

Abschließbare Griffe richtig einordnen

Ein abschließbarer Fenstergriff verhindert, dass der Beschlag von außen über ein aufgebohrtes Loch oder durch eine kleine Öffnung im Glas bedient wird. Das ist ein echter Gewinn, aber nur in Kombination.

Ohne widerstandsfähige Verschlusspunkte bringt der Griff wenig, denn der Flügel wird dann einfach aufgehebelt, ohne dass der Griff überhaupt bewegt werden muss. Griff und Beschlag gehören deshalb zusammen betrachtet.

Praktisch relevant ist außerdem der Umgang im Alltag. Ein abschließbarer Griff nützt nur, wenn er auch abgeschlossen wird. Wo Kinder im Haus sind, erfüllt er zusätzlich eine Sicherungsfunktion gegen unbeabsichtigtes Öffnen, und das ist für viele Haushalte der eigentliche Anlass.

Die schwächste Stelle eines Hauses ist fast nie die Haustür. Sie ist meist das Fenster, das niemand im Blick hat.

Fenstertüren, Terrassen und Balkone

Bodentiefe Elemente sind besonders gefährdet, weil sie ohne Hilfsmittel erreichbar sind und weil sie oft im nicht einsehbaren Teil des Hauses liegen. Genau dort wird am häufigsten angesetzt.

Hinzu kommt die Bauart. Hebeschiebetüren und große Flügel haben lange Wege und viele Verschlusspunkte, von denen im Standard nur wenige gesichert sind. Hier lohnt eine gezielte Ergänzung besonders.

Rollläden sind kein Ersatz

Ein heruntergelassener Rollladen erschwert den Zugriff, hält aber ohne Hochschiebesicherung nicht lange. Als sichtbares Zeichen von Abwesenheit kann er sogar kontraproduktiv wirken, wenn er tagsüber unten bleibt.

Rollladen mit Hochschiebesicherung

Wer den Rollladen als Teil der Sicherung versteht, braucht eine Hochschiebesicherung. Sie verhindert, dass der Panzer von außen angehoben wird, und lässt sich bei vielen Anlagen nachrüsten.

Das gekippte Fenster

Ein auf Kipp stehendes Fenster ist versicherungsrechtlich und praktisch ein offenes Fenster. Der Spalt reicht aus, um mit einfachem Werkzeug an den Griff zu gelangen und den Flügel vollständig zu öffnen.

Wer lüften und dabei sicher bleiben möchte, braucht eine Kippsicherung oder eine Lüftungsstellung, die mechanisch verriegelt ist. Beides gibt es zum Nachrüsten und beides ändert die Lage deutlich.

Kellerfenster und Lichtschächte

Kellerfenster sind klein, unauffällig und oft ungesichert. Genau das macht sie attraktiv. Häufig genügt hier ein simples Gitter oder ein Riegelverschluss, um den Aufwand deutlich zu erhöhen.

Bei Lichtschächten hilft eine verschraubte oder verriegelte Abdeckung. Wichtig ist, dass sie sich von innen im Notfall öffnen lässt, sonst wird aus dem Einbruchschutz ein Fluchthindernis.

Denken Sie außerdem an Nebengebäude. Gartenhaus, Garage und Schuppen sind selten gesichert und liefern zugleich das Werkzeug, mit dem anschließend am Haus gearbeitet wird.

Wie eine Nachrüstung praktisch abläuft

Am Anfang steht die Bestandsaufnahme. Welche Beschläge sind verbaut, wie groß sind die Flügel, wie viele Verschlusspunkte gibt es, und welche Öffnungen sind ohne Hilfsmittel erreichbar. Daraus ergibt sich, was überhaupt möglich ist. Ein Foto des Beschlags im Falzbereich genügt dafür in den meisten Fällen.

Der Umbau selbst findet im Falzbereich statt, also dort, wo man bei geschlossenem Fenster nichts sieht. Rollzapfen werden gegen Pilzköpfe getauscht, die Gegenstücke im Rahmen gegen Sicherheitsschließteile. Anschließend wird der Beschlag neu eingestellt. Das Glas bleibt dabei unberührt, und von außen ist hinterher nichts zu sehen.

Am Ende steht die Funktionsprüfung. Ein nachgerüstetes Fenster muss sich weiterhin leicht bedienen lassen. Ein Flügel, der nur noch mit Kraft schließt, ist falsch eingestellt und wird auf Dauer nicht benutzt.

Mietwohnung, Denkmalschutz und andere Grenzen

Nicht überall ist alles möglich. In Mietwohnungen gehören Eingriffe an Fenstern in die Abstimmung mit dem Vermieter, weil die Fenster zur Bausubstanz zählen. Rückbaubare Zusatzsicherungen sind hier meist der einfachere Weg.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommen weitere Anforderungen hinzu, vor allem an das äußere Erscheinungsbild. Innen liegende Lösungen sind dann oft der einzige gangbare Weg, und die Abstimmung mit der zuständigen Stelle gehört vor den Auftrag.

Was rückbaubar bedeutet

Rückbaubar heißt, dass nach dem Ausbau keine sichtbaren Schäden bleiben. Aufschraubbare Zusatzriegel erfüllen das meist, weil sie nur wenige Bohrungen hinterlassen. Ein getauschter Beschlag ist dagegen ein Eingriff in die Konstruktion.

Häufige Fragen

Fragen zur Fenstersicherung

Kann man vorhandene Fenster nachrüsten?

In vielen Fällen ja. Ob Pilzkopfzapfen möglich sind, hängt vom verbauten Beschlagsystem ab. Ist das nicht möglich, helfen aufschraubbare Zusatzsicherungen an den kritischen Stellen.

Reicht Sicherheitsglas allein?

Für den typischen Hebelangriff bringt es wenig, weil der Angriff am Beschlag erfolgt und nicht am Glas. Sinnvoll wird es dort, wo mit Durchgriff zu rechnen ist, etwa neben Türgriffen.

Sind Gitter an Kellerfenstern zulässig?

Grundsätzlich ja, solange kein Rettungsweg blockiert wird. Bei Räumen, die als Aufenthaltsraum genutzt werden, gelten besondere Anforderungen. Klären Sie das vorher, statt es hinterher zurückzubauen.

Wie erkenne ich meinen Beschlagtyp?

Meist steht die Marke auf dem Beschlag im Falzbereich, sichtbar bei geöffnetem Flügel. Ein Foto davon genügt in der Regel, um zu klären, was nachrüstbar ist.

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Robin Prijs – RP Schließtechnik

Robin Prijs betreibt RP Schließtechnik und ist täglich mit Türöffnungen, Schlosswechseln und Sicherheitstechnik befasst. Die Beiträge in diesem Ratgeber entstehen aus dieser täglichen Praxis. Wenn Sie zu Ihrer eigenen Situation eine Einschätzung brauchen, rufen Sie an oder schreiben Sie über das Kontaktformular.