Werkzeug und Profilzylinder beim Ausbau aus der Tür
Selbst gemacht

Eine Schraube, zwei Maße und ein paar Fallstricke

Der Tausch eines Profilzylinders ist handwerklich überschaubar. Die Fehler passieren fast immer davor, beim Messen und beim Einkauf.

Robin Prijs13. April 20266 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zylinder wird von einer einzigen Schraube in der Schmalseite des Türblatts gehalten.
  • Gemessen wird ab der Mitte dieser Schraube, getrennt nach außen und innen.
  • Zum Herausziehen muss der Schlüssel leicht gedreht werden, damit die Schließnase frei ist.
  • Bei Mehrfachverriegelung, Sicherheitsbeschlag oder Brandschutztür ist Vorsicht geboten.

Warum der Tausch überhaupt so einfach ist

Das eigentliche Schloss bleibt in der Tür. Der Zylinder ist nur der Teil, der über die Berechtigung entscheidet, und er steckt in einer genormten Aussparung. Deshalb genügt eine Schraube, um ihn zu halten.

Diese Trennung ist der Grund, warum ein Schlosswechsel in der Praxis fast immer ein Zylinderwechsel ist. Wer nach einem Schlüsselverlust hört, das ganze Schloss müsse getauscht werden, sollte nachfragen.

Das brauchen Sie für den Wechsel

  • Schraubendreher passend zur Stulpschraube, meist Kreuzschlitz
  • Zollstock oder Messschieber für die beiden Maße
  • Den passenden Zylinder mit korrekter Länge und gewünschter Ausstattung
  • Die neuen Schlüssel, vollständig und nachgezählt
  • Etwas Zeit, damit Sie die Funktion in Ruhe prüfen können

Richtig ausmessen

Öffnen Sie die Tür und sehen Sie auf die Schmalseite. Dort sitzt in der Stulpplatte eine Schraube, meist etwa auf Höhe des Zylinders. Von der Mitte dieser Schraube wird gemessen, einmal nach außen und einmal nach innen.

Beide Maße werden getrennt notiert, und die Reihenfolge ist wichtig. Ein Zylinder mit dreißig Millimetern außen und fünfunddreißig innen ist etwas völlig anderes als einer mit fünfunddreißig außen und dreißig innen.

Messen Sie im eingebauten Zustand und rechnen Sie einen vorhandenen Beschlag mit. Wer den Zylinder erst ausbaut und dann misst, vergisst regelmäßig die Beschlagstärke.

Die Faustregel für den Überstand

Außen sollte der Zylinder möglichst bündig abschließen und keinesfalls mehr als etwa drei Millimeter überstehen. Innen ist ein kleiner Überstand unkritisch, weil dort kein Angriff zu erwarten ist.

Zuerst messen, dann kaufen

Die mit Abstand häufigste Ursache für einen misslungenen Wechsel ist ein Zylinder in der falschen Länge. Messen Sie beide Seiten getrennt, notieren Sie die Reihenfolge und kaufen Sie erst danach. Zurückgeben lässt sich ein eingebauter Zylinder in der Regel nicht mehr.

Der Ausbau Schritt für Schritt

Lösen Sie die Stulpschraube vollständig und legen Sie sie beiseite. Stecken Sie den Schlüssel ein und drehen Sie ihn ein kleines Stück, bis die Schließnase innerhalb des Zylinderumrisses steht. Erst dann lässt sich der Zylinder herausziehen.

Geht er nicht heraus, ist fast immer die Nase noch nicht in der richtigen Stellung. Ziehen Sie am Schlüssel und drehen Sie dabei minimal hin und her, statt Gewalt anzuwenden.

Der Zylinderwechsel ist eine Sache von zehn Minuten. Vorausgesetzt, die halbe Stunde davor wurde ordentlich gemessen.

Den neuen Zylinder einsetzen

Der neue Zylinder geht denselben Weg zurück. Auch hier muss der Schlüssel stecken und leicht gedreht sein, damit die Nase am Schloss vorbeikommt. Anschließend wird die Stulpschraube eingedreht, aber nicht mit Gewalt.

Prüfen Sie danach beide Funktionen. Der Schlüssel muss sich von außen und von innen leicht drehen lassen, und der Riegel muss vollständig ausfahren. Testen Sie das bei geöffneter und bei geschlossener Tür.

Der häufigste Fehler beim Anziehen

Wird die Stulpschraube zu fest angezogen, verspannt sich der Zylinder im Schloss und läuft schwer. Ziehen Sie sie fest, aber ohne Kraft, und prüfen Sie danach noch einmal die Leichtgängigkeit.

Wenn die Schraube nicht fasst

Findet die Stulpschraube kein Gewinde mehr, sitzt der Zylinder minimal falsch. Schieben Sie ihn ein Stück vor oder zurück, bis die Bohrung fluchtet. Mit Gewalt entsteht sonst ein ausgerissenes Gewinde im Schloss.

Wann Sie besser jemanden holen

Bei Türen mit Mehrfachverriegelung ist der Zylindertausch zwar ebenfalls möglich, die Abstimmung mit der Verriegelung aber empfindlicher. Wer hier unsicher ist, verliert mehr Zeit als der Termin gekostet hätte.

Ebenfalls Vorsicht ist geboten bei Brandschutztüren, bei Türen in Schließanlagen und immer dann, wenn der alte Zylinder blockiert. Ein festsitzender Zylinder wird nicht mit Kraft gelöst, sondern mit der richtigen Technik.

Den richtigen Zylinder kaufen

Neben den beiden Maßen entscheiden drei Dinge. Ob innen ein Knauf sitzen soll, ob der Zylinder eine Not- und Gefahrenfunktion braucht, und welches Sicherheitsniveau gewünscht ist.

Die Not- und Gefahrenfunktion ist wichtiger, als viele denken. Ohne sie lässt sich von innen nicht aufschließen, solange außen ein Schlüssel steckt. In Haushalten mit Kindern ist das ein Punkt, über den man nicht hinweggehen sollte.

Achten Sie beim Kauf außerdem auf die Anzahl der mitgelieferten Schlüssel und darauf, ob sich später weitere bestellen lassen. Bei geschützten Profilen geht das nur mit Sicherungskarte, und die gehört vom ersten Tag an an einen sicheren Platz.

Alte Zylinder richtig entsorgen

Ein ausgebauter Zylinder gehört nicht in den Restmüll und schon gar nicht zusammen mit den zugehörigen Schlüsseln. Beides zusammen ist für jemanden, der Ihre Adresse kennt, ein brauchbares Set.

Trennen Sie Zylinder und Schlüssel und geben Sie das Metall in den Wertstoffkreislauf. Wenn ein Fachbetrieb den Tausch macht, nimmt er den alten Zylinder in der Regel mit.

Behalten Sie den alten Zylinder auch nicht als Reserve. Er passt nach dem Wechsel nirgends mehr, und die zugehörigen Schlüssel im Haushalt stiften nur Verwirrung, wenn irgendwann niemand mehr weiß, wozu sie gehören.

Was der Wechsel nicht löst

Ein neuer Zylinder ändert nichts an einer Tür, die klemmt, an einem Beschlag, der von außen abschraubbar ist, oder an einem Schließblech, das nur im Rahmen sitzt. Diese Punkte bleiben, auch wenn der Schlüssel wieder leicht läuft. Der Zylinder ist ein Bauteil von mehreren, und er ist nur so wirksam wie seine Umgebung.

Wenn Sie ohnehin schon das Werkzeug in der Hand haben, lohnt der prüfende Blick auf diese drei Bauteile. Sie zusammen zu verbessern kostet wenig mehr Zeit und bringt deutlich mehr als der Zylinder allein.

Machen Sie sich außerdem eine Notiz mit den beiden Maßen und dem Typ des eingebauten Zylinders. Beim nächsten Mal ist der halbe Aufwand damit schon erledigt.

Häufige Fragen

Fragen zum Zylinderwechsel

Muss ich das Schloss mit tauschen?

In aller Regel nicht. Das Schloss bleibt in der Tür, nur der Zylinder wird gewechselt. Ein Schlosstausch ist nur nötig, wenn das Schloss selbst defekt ist.

Bekomme ich denselben Schlüssel wie vorher?

Nein. Ein neuer Zylinder bringt neue Schlüssel mit, die alten passen nicht mehr. Genau das ist bei einem Verlust der gewünschte Effekt.

Kann ich mehrere Türen auf einen Schlüssel legen?

Ja, mit gleichschließenden Zylindern. Das muss beim Kauf angegeben werden, nachträglich lassen sich vorhandene Zylinder nicht aneinander anpassen. Planen Sie deshalb möglichst alle Türen auf einmal.

Was mache ich, wenn der alte Zylinder klemmt?

Nicht ziehen und nicht hebeln. Meist steht die Schließnase falsch. Hilft vorsichtiges Drehen am Schlüssel nicht, ist der Zylinder vermutlich defekt und muss fachgerecht entfernt werden. Das geht in der Regel schneller, als es klingt.

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Robin Prijs – RP Schließtechnik

Robin Prijs betreibt RP Schließtechnik und ist täglich mit Türöffnungen, Schlosswechseln und Sicherheitstechnik befasst. Die Beiträge in diesem Ratgeber entstehen aus dieser täglichen Praxis. Wenn Sie zu Ihrer eigenen Situation eine Einschätzung brauchen, rufen Sie an oder schreiben Sie über das Kontaktformular.